01.06.2008
3+2=1 ?
Ort: Teckhalle Owen
Quelle: Teckbote, Rainer Däschler
Chormusik bleibt jung
Breites Spektrum festlicher Vokalmusik
Breites Spektrum festlicher Vokalmusik
Der Liederkranz Owen, sein Jugendchor "chili Chor carne" und der Junge Chor
"All together" aus Lautern hatten zu einem herausragenden Konzert in die Owener
Teckhalle eingeladen. Außerdem war ein Bläser-Doppelquartett mit von der Partie.
OWEN Festlich eröffnet wurde der Konzertabend mit zwei Sätzen aus der
Feuerwerksmusik von Georg Friedrich Händel, schwungvoll vorgetragen vom
Bläser-Doppelquartett unter der Leitung von Jan Röck. Unter der Leitung von
Matthias Kurz gelang den knapp 20 Sängerinnen und Sängern des Gastchors ein
überzeugender Auftritt. Bekannte Melodien, wie "Lean on me" und "Ain't no mountain
high enough" waren in pfiffigen Arrangements zu hören.
Dass die Owener "Chilies" im neunten Jahr ihres Bestehens längst zu einer festen
Größe in der regionalen Chorlandschaft geworden sind, stellten sie insbesondere mit
dem a cappella gesungenen "Öffne meine Augen" von John Rutter eindrucksvoll unter
Beweis. Intonationssicher wechselten sich Frauen- und Männerstimmen ab. Die diffizile
Melodik der anspruchsvollen Kompositionen Rutters wurde sicher bewältigt.
Den anhaltenden Zwischenapplaus durfte der Dirigent Tobias Schmid als verdienten
Lohn seiner kontinuierlichen Probenarbeit entgegen nehmen.
In doppelchöriger Aufstellung brachten nun beide Owener Chöre die barocke Motette
"Singet dem Herrn" von Johann Pachelbel zu Gehör. Trotz bekannt bescheidener
Akustik in der Owener Teckhalle - an dieser Stelle hätte man sich einen sakralen
Raum gewünscht - wurde der Mut der Dirigenten Röck und Schmid belohnt. Das zahlreich
anwesende Publikum konnte den auf die venezianische Doppelchörigkeit zurückgehenden
"Stereo-Sound" in Vollendung genießen.
Aus der Feder des zeitgenössischen Komponisten John Rutter hatten die drei
Dirigenten mit ihren Chören das Hauptwerk des Abends "Gloria" in monatelanger
Probenarbeit einstudiert. Vereint zu einem über 60-köpfigen, stimmgewaltigen Chor
und meisterhaft begleitet von den eingangs erwähnten Bläsern, gelang ein äußerst
eindrucksvoller Vortrag. Rutters dreisätziges Werk mit vielschichtiger Harmonik und
Rhythmik kann als anspruchsvolle Chorliteratur bezeichnet werden. Im finalen "Amen"
steigern sich Sänger und Instrumente kontinuierlich in voller Lautstärke zu dem
musikalischen Höhepunkt "Gloria in excelsis Deo". Gemeinsam mit den Solistinnen
Manuela Hepp (Sopran), Ingrid Vogel (Sopran) und Stephanie Barner (Alt) überzeugte
der vereinte Chor auf ganzer Linie.
Dem Dirigenten Jan Röck gelang es, sämtliche Ausführende zu einer großen Einheit
zusammenzuführen. Beachtlich, mit welcher Ruhe er das Hauptwerk des Abends leitete
und wie souverän er die Sängerinnen über die nicht enden wollenden chromatischen
Hürden Rutters führte. Einen beachtlichen Anteil am Gelingen des Werkes hatten die
Bläser, die an rhythmischer Akribie und Intonationssicherheit nicht zu übertreffen
waren. Dass sie im letzten Satz teilweise zu laut agierten und die Sänger übertönten,
sei ihnen beim Abbrennen des musikalischen Feuerwerks verziehen. Auch die souverän
agierende Percussionsgruppe überzeugte mit präzisen Einsätzen und schnellen Wechseln.
Ein solistisch vorgetragenes "Lompaliedle" der charmanten Moderatorin Mareike Tiede
war umjubelter Auftakt des zweiten Konzertteils, überwiegend geprägt von traditioneller
Chorliteratur. Nach "In mir klingt ein Lied" waren zwei Männerchöre zu hören:
"Lenzwanderung" und "Frisch gesungen". Gerade letzterer Chorsatz von Friedrich
Silcher wurde frisch, filigran und harmonisch exakt vorgetragen. Schön, dass auch
im 21. Jahrhundert die Tradition der Männerchöre weiter gepflegt wird.
Schließlich rundete der "chili Chor carne" mit "Lullabye" und "I sing, you sing"
von Anders Edenroth den äußerst kurzweiligen Konzertabend ab. Der A-cappella-Vortrag
mit gekonnter Dynamik und anspruchsvoller Modulation gelang vorzüglich und sorgte für
den musikalischen Schlusspunkt.
Als Zugabe kann das abschließende "Klänge der Freude" als musikalisches Ausrufezeichen
eines an Höhepunkten reichen Konzerts bezeichnet werden. Einmal mehr haben die Chöre
bewiesen, dass Chormusik unter der Teck angesichts derart anspruchsvoller Konzerte
auch weiterhin jung bleiben wird.